Findlinge - Zeugen der Eiszeit

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Findlinge

Findlinge sind in den Moränenlandschaften sehr häufig anzutreffende Zeugen der Eiszeit. Besonders große und auffällige Findlinge werden von den Fachleuten auch als Großgeschiebe oder als erratische Blöcke (von errare = herumirren) bezeichnet. Es sind ortsfremde Gesteine. Sie wurden von den Eismassen aus verschiedenen Regionen Nord- und Nordosteuropas bzw. dem Ostseegebiet in unseren Raum befördert. Die beeindruckende Größe einiger Findlinge läßt die gewaltige Transportkraft der Gletscher erahnen!


Der goße Markgrafenstein in den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde - der grösste Findling in Brandenburg.
Foto W. Ebert
Findlinge gaben auch seit langem Anlaß, darüber nachzudenken, woher und wie diese Blöcke wohl in unser Gebiet gelangt sein mögen. Vorstellungen, dass sie vulkanischen Ursprungs seien, standen jene gegenüber, die sie über Eisschollen in unseren Raum driften ließen (Drifttheorie).
Erst der schwedische Wissenschaftler Torell gab 1875 mit einem Vortrag in Berlin seine begründete Auffassung von der Inlandeistheorie kund und verhalf damit der Eiszeitforschung einen bedeutenden Schub nach vorn.

Findlinge sind als Landschaftselement ein Merkmal der Moränenlandschaft und tragen zu ihrer Eigenart und Schönheit bei.
 

Zitat aus alten Zeiten

Die nordischen Geschiebe sind für die Länder, deren Oberfläche von ihnen bedeckt ist, also auch unsere Provinz, von jeher eine Fundgrube des vortrefflichen Baumaterials gewesen. Ungeheuer ist der Verbrauch seit uralten Zeiten: - Noch heute erblicken wir auf unseren Feldern in großer Anzahl die Hünen- oder Riesenbetten, die Opfersteine und Altäre und andere zu gottesdienstlichen Gebräuchen wahrscheinlich bestimmt gewesene, kunstlos zugerichteten Blöcke, die aus der slawischen Heidenzeit und vielleicht gar aus der vorslawischen Urzeit der Germanen stammen; und aus christlicher Zeit die Klöster und die Landkirchen. Wie viele giebt es derer nicht, die von Geschieben erbaut sind, während in der Zeit der Städtegründung all' unsere Städte, groß und klein, mit Mauern und Thürmen umgürtet wurden, die von Feldsteinen gebaut sind, zum Schutze gegen die Raubritter, die ihre Burgen ebenfalls von Feldstein-Geschieben erbauten. ... Alle unsere Städte und die meisten unserer Dörfer sind mit diesen Geschieben gepflastert und unsere großen Heerstraßen, die vornehmlich erst seit dem Jahre 1816 in Steinbahnen verwandelt worden sind, sind sämtlich davon gebaut und werden damit unterhalten und gehören wegen der Dauerhaftigkeit des Materials zu den besten, den vortrefflichsten Kunststraßen Deutschland's.
Tausende von Fudern dieser Geschiebe hat man in die Tiefe versenkt, der Pflugschaar wegen; und Feldstein-Fuder in unermesslicher Anzahl sind herbeigefahren worden, um zu Bauten verwendet zu werden, zu Grundmauern und ganzen Gebäuden, zu Garten- und Wegemauern, ein Verbrauch, der seit mehr als tausend Jahren fortdauert; ...

Berghaus (1854): Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz (s. S. 190)

Nicht nur die Größe macht es

Der "Wert" eines Findlings wird jedoch nicht nur durch seinen Raum_self bestimmt, sondern auch durch seine Form, seiner Seltenheit der Herkunft, der Gesteinsart, der mit ihm verbundenen Geschichten u.a.m. All dies macht es aus, ob aus einem "Stein" ein "Findling" wird.
Während man in den Jungmoränengebieten z. B. in Mecklenburg-Vorpommern eine Größe von über 10 m³ von schützenswerten Findlingen erwartet, ist man in südlicheren Gegenden (Altmoränengebiete) z. B. im Hohen Fläming schon mit ca. 1 m³ großen Steinen zufrieden.
In Brandenburg wird derzeit ein Stein mit einem Volumen ab 1 m³ als Findling anerkannt. Aufgrund der komplizierten Berechnung des Volumens und der Masse schwanken die Angaben zu den einzelnen Findlingen allerdings z. T. erheblich.
Auch wenn die großen Findlinge oft ein Stein des Anstoßes bzw. der Aufmerksamkeit sind - siehe z. B. "Steinklau" nach Hohenwutzen (1994) - so können auch die kleineren Gesteine viel Interessantes vermitteln.

Bei den Findlingen handelt es sich in der Mehrzahl um magmatische und metamorphe Gesteine (Granite, Granitgneise, Gneise u. a.), also sehr harte Tiefengesteine, die mit dem Gletschereis von Skandinavien und dem Ostseeraum weit nach Süden transportiert wurden. Seltener werden auch Sedimentgesteine angetroffen, da diese von den Gletschern eher zermalmt wurden.
Trotz dieser vermeintlichen Einschränkung legen die Findlinge Zeugnis ab von einer Gesteinsvielfalt und einem Gesteinsreichtum, der außerhalb der pleistozänen Landschaften nicht wieder angetroffen wird!

Ergebnisse verschiedener Kartierungen geben einen Eindruck über die Verteilung der Großgeschiebe und lassen einigen Aufschluß über die "Hauptstoßrichtung" der Gletscher bzw. der größten Hindernisse zu (vgl. Schulz 1972, 1998). Dort, wo sich besonders große und zahlreiche Findlinge nachweisen lassen, hat ein besonders starker Gletscherstrom gewirkt.
Im Land Brandenburg werden alle Findlinge vom Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe systematisch erfasst, bestimmt und registriert.

Findlinge - schützenswerten Geotope oder wertvolles Naturmaterial

Unter Geotopen versteht man erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Kenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens vermitteln. Sie umfassen einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile sowie Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien. Somit können die Findlinge auch den Geotopen zugerechnet werden.
In Brandenburg zählen die Findlinge zu den Naturdenkmalen und sind schützenswerte Geotope

Großer Stein von Neuendorf bei Oderberg.
Foto: G. Lutze

Zahlreiche Findlinge wurden in der Vergangenheit von den Menschen für verschiedene Zwecke genutzt. Besonders stark waren die "Umwidmungen" der Findlingen im 18. und 19. Jahrhundert, als die Gesteine für Baumaterial für Straßen, Kirchen, andere Gebäude und Brücken genutzt wurden.

Nicht selten findet man auch noch heute die Spuren der Steinschläger, die die großen Brocken vor Ort zerlegt haben, wie am "Großen Stein" von Neuendorf bei Oderberg. Von ihm wurde eine Hälfte abgesprengt, in dem man in regelmäßigen Abständen Bohrlöcher durch den ca. 3 m hohen Stein getrieben hat. Weniger spektakulär ist dagegen ein zerlegte Feldstein im Wald von Buckow (Lk. Barnim).

Historische Quellen sagen folgendes:

Als ein "Häuptling unter den Barbaren im Aufräumen geologischer Dokumente" bezeichnete H. Berghaus in seinem "Landbuch der Mark Brandenburg" den Berliner Stadtrat und Bauinspekteur CANTIAN. Unter seiner Anleitung wurde 1827 auch der Große Markgrafenstein in den Rauenschen Bergen südwestlich von Fürstenwalde gesprengt und zu einer 6,5 m großen Schale verarbeitet. In einem wenig beachteten Aufsatz hat Cantian (1830) die Zerstörung dieses großartigen Naturdenkmals, eines der sieben märkischen Weltwunder, selbst beschrieben" (Schulz 1972). Heute steht diese Riesenschale vor dem Alten Museum und dem Berliner Dom im Berliner Lustgarten.

Häufig findet man Findlinge als Gedenksteine "umfunktioniert". Die meisten fanden jedoch zerlegt in den Feldsteinmauern und -straßen einen weniger spektakulären aber doch die Region prägenden Verwendungszwecke.
Beeindruckend sind nach wie vor die meisterhaft gefertigten Feldsteinbauten, die ein echtes, traditionelles Markenzeichen der Region sind.
Faszinierend ist auch für den geologischen Laien die enorme Bandbreite von verschiedenen Steinarten, die man z. B. in einer Stadtmauer in Bernau oder Templin bewundern kann. Und alle vor Jahrtausenden aus Skandinavien "importiert"!

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©  Märkische Eiszeitstraße, G. Lutze, 2001