Die Landschaft um Angermünde -
neue Einsicht durch neue Ansicht

Einführung
Geologie dreidimensional
  · Gewaltige Kräfte formten und überformten die Landschaft
  · Der Charakter der Landschaft
Landnutzung folgt eiszeitlichem Muster
Geotouristische Landschaftspotenziale
Zum Umgang mit der Landschaft

 


Einführung

Die eiszeitliche Prägung der süduckermärkischen Landschaft ist eine allseits bekannte und anerkannte Tatsache. Vielfältige Zeugen am Wegesrand, wie die von den Gletschern aus Skandinavien und dem Ostseeraum heran geschobenen Findlinge und Feldsteine sowie die Toteisseen und Sölle, sind markante Erscheinungen im Landschaftsbild. Die Besonderheiten der Landschaft werden sowohl in speziellen geologischen Abhandlungen als auch in populärwissenschaftlichen Darstellungen z.B. von der Märkischen Eiszeitstraße (Domnick et al. [und andere] 2003, Domnick 2006) beschrieben. Allerdings bestehen auch gegenwärtig in der geologischen Fachwelt noch so manche Meinungsverschiedenheiten z.B. über die Ausdehnungs- und Abschmelzprozesse der Gletscher während der letzten Eiszeit (Liedtke 2001).

Grundmoränenlandschaft bei Felchow
Grundmoränenlandschaft bei Felchow
Fotto: W. Ebert

Die geologischen und landschaftlichen Eigenheiten der Umgebung von Angermünde waren den Initiatoren und Akteuren des Geoparks "Eiszeitland am Oderand" Anlass, die Areale um Angermünde mit zum Kerngebiet des Geoparks zu entwickeln. Im Rahmen des Geopark-Vorhabens wird es als eine besondere Herausforderung angesehen, neue Wege bei der verständlichen und erlebbaren Erschließung dieser Landschaft zu gehen.
Das Verständnis landschaftlicher Phänomene fördern in besonderer Weise figürliche Modelle wie z.B. jene in der Blumberger Mühle. Nach wie vor fällt es selbst jedoch auch einem naturkundlich Interessierten und mit theoretischen Vorkenntnissen ausgestatteten Besucher nicht ganz leicht, bestimmte Erscheinungen in einer Landschaft wieder zu erkennen. Es besteht eine gewisse Schwelle, das theoretisch Erklärte bestimmter Erscheinungen in der Realität zu verorten und wieder zu finden, insbesondere solcher Phänomene, die in der Realität flächenhaft ausgebildet sind und nicht so klar ins Auge fallen.

Toteissee bei Flemsdorf
Toteissee bei Flemsdorf / W. Ebert

Die Landschaft ist aber nicht nur das Ergebnis natürlicher Prozesse, sondern auch ein Produkt des Wirkens der historischen und aktuellen Landnutzung durch den Menschen. Die Menschen haben sehr bald erkannt, wo sie vorteilhaft Landwirtschaft betreiben konnten und wo man dem Wald das Terrain überlässt. So formte sich das Antlitz der heutigen Landschaft.
Mit dem vorliegenden Beitrag soll versucht werden, am Beispiel der süduckermärkischen Landschaft und hier insbesondere ihrer geomorphologischen und landschaftlichen Bildungen entlang der ehemaligen Angermünder Eisrandlage mit einem virtuellen "Blick von oben" neue Perspektiven zu eröffnen. Landschaftsvisualisierung mittels Computer kann zur Verbesserung der Anschaulichkeit und des Verständnisses unserer Umwelt führen. Schließlich ermöglichen diese Techniken Sachverhalte und Zusammenhänge nach oben sichtbar zu machen, die eigentlich in der Natur nicht sichtbar sind.


Geologie dreidimensional

Gewaltige Kräfte formten und überformten die Landschaft

Das Betrachtungsgebiet wurde während der Eiszeit, wie die gesamte Uckermark, mehrfach von gewaltigen Gletschern überfahren und das Relief jeweils mehr oder weniger vom Eis, dem Schmelzwasser und schließlich dem Wind neu modelliert. Die Gletscherhöhen in unserem Gebiet werden, in den einzelnen Eiszeiten unterschiedlich, mit mehreren hundert Meter Höhe angenommen. Die Landschaft zwischen Angermünde und der Oder erhielt ihre zunächst letzte eiszeitliche Prägung und damit ihre heutige Gestalt in der Phase der Angermünder Staffel der Weichseleiszeit (ca. 14 700 Jahre v.h.).
Im Geländemodell zeigt sich die Landschaftsoberfläche zwischen Wolletzsee und unterem Odertal bzw. dem Welsebruch und dem Parsteiner See als sehr bewegt und konturenreich, obwohl die Höhenunterschiede nur wenige Meter über NN bis ca. 134 m über NN erreichen (Abb.1). Diese Darstellung soll die Grundlage der weiteren Erkundungen bilden.


In Glaziallandschaften wie dieser erwartet man einen nach dem Modell der Glazialen Serie "regelhaft geordneten Formenschatz": Grundmoräne - Endmoräne - Sander - Urstromtal. Ein Blick auf die jüngst herausgegebene Geologische Übersichtskarte (1 : 100 000) vom Landkreis Uckermark (LBGR Brandenburg 2005) zeigt aber, dass der o. g. Formenschatz zwar vorhanden ist, aber die erwartete Ordnung sich in dem Betrachtungsraum so nicht einstellt. Nicht zuletzt haben sich auch die Vorstellungen der Geologen z.B. über den Verlauf der Angermünder Eisrandlage in den vergangenen Jahren verändert (Chrobok et al. 1981, Markuse 1995 u. Brose et al. 2003). Dass sich hier der Verlauf der Endmoränen, die am Eisrand abgelagert oder aufgestaucht wurden, nicht als geschlossene Hügelkette nachweisen lässt, wie z.B. bei der südlich gelegenen Pommerschen Eisrandlage zwischen Oderberg und Joachimsthal, ist vermutlich in ihrem Charakter als ein Rückzugshalt des Eises begründet. Die Angermünder Staffel, wie auch die nördlich gelegene Gerswalder Staffel, werden als Abschmelzphasen betrachtet, wobei die Gletscher jedoch auch über ein paar hundert Meter und mehr oszillierten, d. h. sich witterungsabhängig vor- und rückwärts bewegten. Dieser Prozess trug natürlich zur Bewegtheit der Landschaftsoberfläche bei (Cepek 1994). Insgesamt hatten diese Gletscher aber wohl nicht mehr die formende Kraft wie frühere Eisvorstöße. Allerdings sind auch ältere, saalekaltzeitliche Bildungen, nach oben die bis dicht an die Oberfläche ragen, erhalten geblieben.


Der Charakter der Landschaft

Das Modell der Glazialen Serie wird auch im Betrachtungsgebiet als das Grundmodell der Gestaltungs- und Wandlungsprozesse in der Eiszeit verstanden. Viele andere Erscheinungen während und nach der Eiszeit (Austauen von verschüttetem Toteis, Fließen von Permafrostboden, ...), führten zur heutigen Gestalt unserer Landschaft. Das Ergebnis der Wirkung der z. T. chaotischen Prozesse auf die Formung der süduckermärkische Landschaft kann man aus den Formationen, die auf der Geologischen Übersichtskarte des Landkreises Uckermark abgebildet werden, nachempfinden. Allerdings könnten sie dem Uneingeweihten vergleichbar einem Schnittmusterbogen oder einem kaum entwirrbaren Nebeneinander von Landschaftsformen erscheinen. Um dieses "Gewirr" etwas aufzulösen, wollen wir zunächst die Endmoränenbildungen, die entlang der Angermünder Eisrandlage geformt wurden, als das Rückgrat der Glaziallandschaft betrachten (Abb. 2). Den möglichen Verlauf der Eisrandlage zeichnet die eingefügte Linie nach. So bekommt man eine erste Vorstellung über ihren gestalterischen Einfluss auf die Landschaft der Region. Die gewählte Abbildung zeigt den gleichen Arealausschnitt in einer dreidimensionalen (leicht überhöhten und gekippten) Version.


Die Abb. 3 veranschaulicht auch die Verbreitung der weiteren wichtigen geomorphologischen Bildungen entlang der Angermünder Staffel. Nördlich der Endmoränengebiete nehmen die Grundmoränen zwischen Mürow, Felchow, Pinnow und der Gemeinde Mark Landin weite Areale ein. Durch eine "Lücke" in den Endmoränenbereichen zwischen Dobberzin und Neuhof zieht sich die Grundmoräne nach Süden bis Bölkendorf und Gelmersdorf. Dieser südliche Abschnitt befindet sich schon im Hinterland der älteren Pommerschen Eisrandlage.
Aus Abb. 3 ist zu ersehen, dass sich im Vorfeld der ehemaligen Angermünder Eisrandlagen - südlich der Endmoränen - flächig verbreitete Sander befinden. Beim Abtauen der Gletscher haben die Schmelzwässer hier ihre Sedimentfracht aus sandigem und kiesigem Material abgelagert. Ein relativ schmaler Schlauchsander führte in der Abschmelzphase seine Fracht - z.T. über Toteisflächen des Parsteiner Beckens und den Moränenüberlauf bei Chorin - bis zum Eberswalder Urstromtal.
Leider sind End- und Grundmoränen nicht eindeutig durch ihre Höhenlage zu unterscheiden. Es gilt in der Regel, dass die Endmoränen sehr bewegte Hügel in der Landschaft bilden - in der Pommerschen Eisrandlage ca. 70 bis 75 m über NN. Die Grundmoränen sind als flache wellige bis kuppige Platten mit einer Höhe bis zu 60 m geformt. Während die Endmoränen Schüttungen von Sand, Kies, Steinen und Geschiebemergel darstellen, dominieren bei Grundmoränen Geschiebemergel und Lehm, das Ausgangsmaterial für sehr fruchtbare Böden.
Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch der landschaftlich besonders markante Endmoränen- und Stauchungskomplex südlich des Wolletzsees zwischen Altkünkendorf, Grumsin, Schmargendorf und Zuchenberg.


Eine weitere, im Geländemodell gut erklärbare Erscheinung sind die Ablagerungen in ehemaligen Gletscherstauseen. Die geologische Karte weist diese z.B. in einer großen Geländesenke um den Felchowsee und im heutigen Stadtgebiet von Angermünde aus, hier jedoch weniger deutlich. In diesen Bereichen kam es zur Absetzung von Feinsand und Schluff.

Die bestimmenden glazialen Landschaftsformen im betrachteten Landschaftsausschnitt werden von den großen Niederungen im Nordwesten und Nordosten so wie den Auen des unteren Odertals im Osten vervollständigt (Abb. 2). Sie können in drei sehr unterschiedliche Landschaftsausschnitte gegliedert werden:

Durch diese zumindest teilweise "Einrahmung" der End- und Grundmoränen durch die Niederungen, erscheinen erstere als Hochflächen. Insgesamt erhält die nach oben Landschaft so ihr charakteristisches, abwechslungsreiches Gepräge.


Landnutzung folgt eiszeitlichem Muster


Die beschriebenen geomorphologischen Landschaftsformen bilden die Grundlage für die verschiedenartigen Nutzungsmöglichkeiten durch den Menschen. Entscheidend auch für heutige Landnutzung sind die eiszeitlich und z. T. nacheiszeitlich abgelagerten Bodensubstrate (Sand, Mergel, Lehm, Schluff, Moor), die Reliefverhältnisse (flach wellig, stark hängig) und die Wasserversorgung der Böden. In den jeweiligen Landschaftsformen sind diese Merkmale in charakteristischer Kombination ausgebildet (Abb. 4):

So folgt die heutige Feld-Wald-Verteilung im Gebiet, trotz mancher Veränderung in zurückliegender Zeit, dem alten, aus der Eiszeit geprägten Muster der Landschaft. Der aufmerksame Beobachter kann so aus dem Landnutzungsmuster mit einigen Vorkenntnissen und etwas Übung den Zusammenhang nach obenzum geomorphologischen Charakter erkennen.


Geotouristische Landschaftspotenziale


Im Folgenden sollen ausgewählte interessante Landschaftsausschnitte näher betrachtet werden, die als landschaftliche Kleinode den entstehenden Geopark bereichern.
Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Landschaft um Stolpe. Sie erhält ihren besonderen Reiz aus ihrer Lage an der Kante der Hochfläche zum Odertal (Abb. 5). Die tief eingesenkten Trockentäler entstanden in Folge von Erosionserscheinungen und führten zu einer starken Zergliederung der gesamten Hanglage. Zweifellos erkannten die Menschen frühzeitig ihre besondere strategische Bedeutung und nutzten sie für den Burgenbau.

 

Zu den schönsten Landschaftsausschnitten um Angermünde ist zweifellos auch der Wolletzsee mit seiner abwechslungs- und waldreichen Umgebung zu zählen. Hier überragt der Blocksberg mit 139 m Höhe, der höchsten Erhebung der Uckermark (!), das umliegende Gelände deutlich. In seiner Nähe befinden sich auf diesem mächtigen Stauchungskomplex mit dem Schwarzen See der höchste See Brandenburgs (106 m über NN) sowie mit dem Großen Dabersee, dem Buckowsee nach oben und dem Moossee Seen von exzellenter naturschutzfachlicher Bedeutung.
 


Zum Umgang mit der Landschaft

Landschaft wird als ein Produkt von naturräumlicher Vorprägung und menschlicher Nutzung verstanden. Landschaft ist nicht mehr in erster Linie nur Produktionsstätte für die Land- und Forstwirtschaft. Neben diesen Nutzungen treten in weiten Bereichen die Schutzfunktion für Lebensräume charakteristischer Tier- und Pflanzenarten sowie in "schönen" Landschaften die Erholungsfunktion bzw. die touristische Nutzung hinzu. Kenntnisse über das Charakteristische und die Besonderheiten der uckermärkischen Landschaft sollten helfen, das Verständnis und das Gefühl für diesen Landschaftstyp zu fördern. Es sollte gezeigt werden, wie auch Computervisualisierung diesem Ziel dienen kann. Um den Blick für diese Landschaft zu schärfen, sind Sichten aus verschiedenen Perspektiven hilfreich, da nur selten die landschaftlichen Zusammenhänge aus einem Blickwinkel erkennbar sind. Wir hoffen, mit diesen Betrachtungen dazu anzuregen, das Gesicht der Landschaft mit anderen nach oben Augen zu erkennen, um sie zu bewahren.


Literatur

 • Brose, F., L. Lippstreu & N. Schlaak (2003): Kartographische Skizze über den Verlauf der Angermünder Staffel. Mitteilung des Landesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg, Kleinmachnow.
 • Cepek, A. G. (1994): Stratigraphie und Lithofazies. In Schroeder, J. H. (Hrsg.): Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg. No. 2: Bad Freienwalde - Parsteiner See. Selbstverlag. S. 26-39.
 • Chrobok, S. M., G. Markuse u. B. Nitz (1981): Abschmelz- und Sedimentationsprozesse im Rückland weichselhoch- bis spätglazialer Marginalzonen des Barnims und der Uckermark (mittlere DDR). Petermanns geographische Mitt. 2/1982, S. 95-102.
 • Domnick, H. (2006): Geologisches um Angermünde - aus 10 000 Meter Tiefe bis zur Erdoberfläche. Angermünder Heimatkalender, S. 58-69.
 • Domnick, H., W. Ebert & G. Lutze (2003): Die Märkische Eiszeitstraße. Das Barnimer Land, die Uckermark und Märkisch-Oderland. Findling Buch- und Zeitschriftenverlag, Neuenhagen, 152 S.
 • LBGR Brandenburg (2005): Geologische Übersichtskarte für den Landkreis Uckermark 1: 100 000 mit Beiheft. Herausgeber: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg in Zusammenarbeit mit der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg, Ausgabe 2005.
 • Liedtke, H. (2001): Das nordöstliche Brandenburg während der Weichseleiszeit. In: Bussemer, S. (Hrsg.): Das Erbe der Eiszeit (Marcinek-Festschrift), Langenweißbach, S. 119-133.
 • Markuse, G. (1995): Das uckermärkische Rückland der Angermünder Staffel. In: Gärtner, P., L. Behrendt, S. Bussemer, J. Marcinek, G. Markuse & N. Schlaak (Hrsg.): Quartärmorphologisches Nord-Südprofil durch Brandenburg, Ber. Z. dt. Landeskunde, S. 255-258.


Verwendete Daten und Datenquellen

Digitales Geländemodell:
 • USGS Earth Resources Observation and Sience (EROS) Data Center - GTOPO30, 30" DEM
 • Landesvermessungsamt Brandenburg - DGM25
 • Kataster- und Vermessungsamt Schwedt - DGM5 Unteres Odertal

Satellitenszenen und Luftbilder:
 • Spatial Data Infrastructures (SDI) of the European Commission's Joint Research Centre,
   Ispra, Italy - Image2000; multispektrale und panchromatische Landsat-Szenen
 • Kataster- und Vermessungsamt Schwedt - Luftbildbefliegung Unteres Odertal

Gewässer, Ortslagen:
 • Vermessungsverwaltungen der Länder und BKG, 2002 - ATKIS, Basis-DLM
 • Kataster- und Vermessungsamt Schwedt - Auszug aus DLM 25/2, Digitale
   Gebäudedaten, Bereich Stolpe

Basistopographie:
 • CD-ROM Daten zur Umweltsituation im Land Brandenburg (DUB) - TK50 monochrom

Geologie:
 • Landesamt für Bergbau,Geologie und Rohstoffe ( LBGR) - Geologische
   Übersichtskarte 1: 300 000

 

© Märkische Eiszeitstraße, 2007
G. Lutze, J. Kiesel, (Leibniz-Zentrum f. Agrarforschung Müncheberg),
O. Unger-Urbanowicz (Kataster- und Vermessungsamt, Landkreis Uckermark)