Chorin (Dorf)

Geschichte | Ortsbeschreibung

Geschichte

Der Name Chorin (1375 Koryn, Coryn, Corin, 1573 Chorin, 1677 Chorinchen) könnte sich vom See Koryn her ableiten. Er soll aus dem Slawischen kommen und ,krankes (fischarmes) Gewässer' bedeuten. In einer anderen Deutung wird er von Wurzelstock' abgeleitet.

Es war vermutlich ein slawisches Dorf, welches 1258 erstmals in der Stiftungsurkunde des Klosters Mariensee erwähnt wurde. Zur Erstausstattung des Klosters gehörte danach das Dorf Chorin mit zwei gleichnamigen Seen (Koryn majus et minus).
Als das Kloster 1273 an den Kleinen Korynsee (heute Amtsee) verlegt wurde, übernahm es den Namen der nahen Lokalität.
Größer und näher am Ort gelegen war der Choriner Dorfsee, der Große Kyrinsee, der später als Schulzensee bezeichnet wurde. An seiner Ostseite entstand im 13. Jh. eine deutsche Siedlung. Für eine Verdrängung der slawischen Siedler gibt es keine Anhaltspunkte. Es ist vielmehr eher wahrscheinlich, dass die ansässigen slawischen Bauern in die deutschrechtlichen Dörfer mit Dreifelderwirtschaft und Flurzwang einbezogen wurden. Dafür spricht auch der Ortsname, die Ortform eines Angerdorfes und die der Hufenverfassung entsprechende Gewannflur. Allmählich verschmolzen die Slawen ethnisch und kulturell mit der deutschen Bevölkerung.
Nach der Säkularisierung des Klosters 1542 kam das Dorf an das kurfürstliche Amt Chorin. Von den 1375 vorhandenen 55 Hufen bearbeiteten der Schulze und sieben Bauern zusammen 36 Hufen, die übrigen waren vom Vorwerk vereinnahmt worden. Um dort über die nötigen Arbeitskräfte zu verfügen, hatte man die Zahl der Kossäten auf 24 erhöht. Die Bauern leisteten auf dem Vorwerk Pflugdienste mit Ochsengespannen.
Im 30jährigen Krieg war neben vielen Gebäuden auch die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört worden. Von 1636-48 wütete zudem noch die Pest in Chorin. Am Ende des Krieges lebten nur noch 3 Kossäten. Allmählich begann eine Neubesiedlung, 1688 lebten im Dorf 14 Kossäten.
1677 tauchte der Name Chorinchen erstmals im Kirchenbuch des Dorfes auf.


Der Rest des Schulzensees.  Foto: W. Ebert
Um 1700 kamen fünf Familien der französischen Glaubensflüchtlinge. Weitere Kolonisten folgten zur Zeit Friedrich II., überwiegend waren das aber nur Büdner.
Nördlich vom Amtsee, wo von der Fernverkehrsstraße B 2 der Weg nach dem Dorf Chorin abzweigt, bestand von 1747 bis 1772 die von Senftenhütte hierher verlegte, auch als zweite Choriner oder neue Hütte bezeichnete Glashütte. Die Namen Hüttenwiese und Hüttenweg erinnern noch daran. Glasmacher, die nach der Schließung der Hütte nicht wegziehen wollten, wurden später nach Neuehütte am Ragösefließ umgesiedelt.
Um 1800 war Chorinchen ein schmuckes Dorf mit 384 Einwohnern. 1839 wurde es zur selbständigen Gemeinde erhoben.
1839-1843 erfolgte der Bau der Bahnstrecke Eberswalde-Angermünde, die an Chorin vorbeiführt. Dem Bau der Trasse musste der Schulzensee weichen. Er erscheint heute als Wiese, die nur an den tiefsten Stellen mit Schilf bewachsen ist.
In der Zeit von 1874 bis 1884 zerstörten größere und kleinere Brände das Dorfbild fast ganz.
Erst 1902 wurde auf Antrag der Bürger von Chorinchen ein Haltepunkt eingerichtet. Nach Wiedereinführung der alten Bezeichnung Chorin (1934) hieß die Station dann Chorin Kloster.
Die beiden Betonbrücken, die 1925-1938 über die Eisenbahnlinie gebaut worden waren, wurden in den letzten Kriegstagen gesprengt.
Bis 1952 gehörte Chorin zum Kreis Angermünde; mit der Verwaltungsreform kam es zum Kreis Eberswalde. Seit 1992 gehört das Dorf zum Amt Chorin-Britz und zum Landkreis Barnim.
 

                             Der restaurierte Bahnhof Dorf und Kloster Chorin. Foto: H. Domnick

   Der restaurierte Bahnhof Dorf und Kloster Chorin. Foto: H. Domnick

 

Ortsbeschreibung


Chorin - Dorfkirche / W. Ebert

Das älteste Gebäude ist die in der Mitte des langgestreckten Choriner Angers stehende Dorfkirche. Es ist ein Rechtecksaal aus regelmäßigen Feldsteinquadern. Sie stammt, wie die meisten Feldsteinkirchen des Barnim, aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ihr Ostgiebel ist schlicht mit Spitzbogenblenden geschmückt. Das Fenster ist hoch in das Giebeldreieck hinaufgeführt. Von den beiden spitzbogigen Granitportalen ist das westliche in ursprünglicher Form erhalten, das nördliche zugemauert. Die Fenster sind wahrscheinlich um 1688 vergrößert worden. Der verbretterte Dachturm über dem Westgiebel zeigt in der Wetterfahne des Pyramidendaches die Jahreszahl 1798.
Im Kircheninneren hat sich von der Instandsetzung 1688, bei der ein hölzernes Tonnengewölbe durch eine flache Balkendecke ersetzt wurde, der schlichte barocke Kanzelaltar erhalten. Ein vorzüglich geschnitztes, lebensgroßes Holzkruzifix (vermutlich Mitte 15. Jh.) soll nach Beckmann im Jahre 1596 aus der Choriner Klosterkirche hierher gebracht worden sein.
Der 1902 errichtete Bahnhof, ein Putzbau in klassizistischen Formen, hat sich im Äußeren bis zur Gegenwart weitgehend unverändert bewahrt. Heute ist das Haus privates Eigentum.

 

Am Ende des geologischen Lehrpfades Chorin. Blick auf den Weinberg von heute und auf sein Aussehen während und nach der Eiszeit Foto: H.Domnick
Am Ende des geologischen Lehrpfades Chorin.
Blick auf den Weinberg von heute und auf sein
Aussehen während und nach der Eiszeit
Foto: H.Domnick 
Eine der Tafeln am geologische Lehrpfad.
Eine der Tafeln am geologische Lehrpfad."Aus dem Leben eines Steines"   Foto: H. Domnick

 

Chorin setzt jetzt voll auf denTourismus. Das Dorf mit seinen schmucken Häusern und schönen Vorgärten bietet dem Gast das, was er braucht: einmalige Landschaft, Wasser, Wald, Kultur pur und hervorragende gastronomische Einrichtungen. Wer hat schon eine Immenstube? Und das alles im weiteren Nahbereich der Bundeshauptstadt Berlin.

Literatur:
• Die Kunstdenkmäler des Kreises Angermünde, Heft 4, S. 148-150.
  Vossische Buchhandlung, Berlin , 1929
• Landschaften in Deutschland - Werte der deutschen Heimat.
  Um Eberswalde, Chorin und den Werbellinsee. Böhlau Verlag, 2002

© Märkische Eiszeitstraße, W. Ebert, 2004